Antimarxistische Psychotherapie

Kapitalismus und Marktwirtschaft

"Der Ökonom Hans-Hermann Hoppe weist darauf hin, dass Länder mit vergesellschafteter bzw. verstaatlichter Produktion nicht so wohlhabend sind wie Länder, bei denen die Produktion in privater Hand ist."

Dieses Zitat stammt aus der Wikipedia. Als Quelle wurde eine (leider inzwischen entfernte) PDF-Datei auf der Website von Hoppe angegeben.

Ich konnte mir anno 1989, als ich sechs Jahre alt war, mit eigenen Augen ein Bild von der Armut Ost-Mitteleuropas machen. Insofern ist dieses Argument Hoppes für mich eine Selbstverständlichkeit - für Jüngere hingegen freilich vielleicht nicht.

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 11. April 2009 findet sich im Feuilleton ein Artikel mit der Überschrift "Wie der Markt wirklich sozial wird", der vom "Erfinder der Sozialen Marktwirtschaft", einem gewissen Herrn Müller-Armack, handelt. In diesem Artikel werden zwei Sätze aus seinem Buch zitiert, die in diesem Zusammenhang sehr interessant sind:

"Unter dem Gesichtspunkt der Freiheit dürfte die Marktwirtschaft auch dann noch vorzuziehen sein, wenn ihre ökonomischen Leistungen geringer wären als die der Wirtschaftslenkung. Es ist dies, wie wir sehen, in keiner Weise der Fall, aber es scheint doch notwendig, darauf hinzuweisen, dass das letzte Kriterium für eine Wirtschaftsordnung auch im Geistigen ruht und nicht im Wirtschaftlichen allein."

Ist Kapitalismus ein System?

Der Kapitalismus ist kein "System", sondern ein natürliches menschliches Verhalten. Das ist das Hauptmissverständnis vieler Marxisten. Allerdings hat natürliches menschliches Verhalten natürlich seine Schwächen und kann zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Die von Marx vorgeschlagenen "Lösungen" sind jedoch keine; Ludwig von Mises gab bereits in den 1920er Jahren eine theoretische Erklärung, warum der Sozialismus nicht funktionieren wird, und die Geschichte hat uns inzwischen gesagt, dass alle bisherigen Versuche, den Sozialismus umzusetzen, zu Millionen von Toten geführt haben und nicht ein einziger zu dauerhaftem wirtschaftlichen Wohlstand.

Warum die Debatte Kapitalismus vs. Sozialismus obsolet ist

Meiner Meinung nach ist die Debatte Kapitalismus versus Sozialismus etwas überholt. Der Grund dafür ist, dass der Kapitalismus kein System ist. Anstatt ein System zu sein, ist der Kapitalismus ein natürliches menschliches Verhalten, das sich aus den Umständen ergibt, unter denen wir leben (begrenzte Ressourcen, begrenzter Zugang zu Ressourcen usw.). Der Sozialismus kann als System bezeichnet werden, aber es ist kein System, das den Kapitalismus ersetzt; es ist nur ein System der Intervention und Gewalt mit der Absicht, die Eigentumsbeziehungen zu verändern und die menschliche Freiheit einzuschränken. Selbst in einem sozialistischen Land gibt es eine Art Kapitalismus, zumindest bis zu einem gewissen Grad, denn was man Kapitalismus nennt, ist eigentlich, wie gesagt, natürliches menschliches Verhalten.

Marxistisch orientierte Politiker, die immer noch sagen, dass ihr Ziel die "Überwindung" des Kapitalismus ist, haben anscheinend noch nicht realisiert, was ich oben gesagt habe.

Ich persönlich bevorzuge so wenig Intervention und Zwang wie möglich. Es gibt keinen "Zwang" ohne "Gewalt" - das haben die Engländer erkannt, deshalb gibt es für beide Dinge ein Wort in ihrer Sprache, "force". Gewalt ist eine schlechte Sache, die meiner Meinung nach um jeden Preis vermieden werden sollte; sie sollte höchstens als "Ultima Ratio" verwendet werden, wenn es keine andere Möglichkeit mehr gibt.

Im Leben geht es nicht um Arbeit, im Leben geht es um den Zugang zu Ressourcen, die für das Überleben notwendig sind. Im Idealfall geht es auch um den Zugang zu Ressourcen, die die Lebensqualität verbessern und glücklich machen (man könnte sie "Luxusgüter" nennen). Es ist nicht von Bedeutung, wie man sich Zugang zu diesen Dingen verschaffen kann, solange man sich nicht unsozial verhält, d. h. andere Menschen ungerecht behandelt und ausbeutet, ohne ihnen etwas zurückzugeben.

Ich teile nicht die sozialistische Auffassung, dass alle Menschen beschäftigt und erwerbstätig sein sollten. Menschen sollten arbeiten, wenn sie arbeiten wollen, aber nicht, weil sie dazu gezwungen sind. Natürlich haben viele keine Alternative zum Zugang zu Ressourcen als durch bezahlte Arbeit. Aber die Idee, dass jeder angestellt sein und arbeiten sollte, auch wenn er (aus welchem Grund auch immer) in der Lage wäre, sich selbst zu erhalten und ein glückliches Leben zu führen, ohne zu arbeiten, ist meiner Meinung nach unmenschlich, gelinde gesagt.

Künstliche Intelligenz und Robotik stellen eine echte Herausforderung dar, da sie viele Arbeitsplätze obsolet machen werden. Wir müssen über Möglichkeiten nachdenken, die Gesellschaft zu organisieren und den Menschen den Lebensunterhalt zu sichern, auch wenn Menschen vieler Berufe durch Maschinen ersetzt werden. Altruismus ist angesagt; es wird nicht mehr ausreichen, nur auf sich selbst aufzupassen. Wir werden gemeinsam Lösungen erarbeiten müssen, in Zusammenarbeit, nicht im Wettbewerb.

Kurz gesagt, die österreichischen Sozialdemokraten haben völlig Recht, wenn sie sagen, dass es nicht nur um den absoluten Reichtum eines Landes geht, sondern auch darum, wie dieser verteilt wird. Der Sozialismus ist jedoch keine Lösung.

Dipl.-Ing. Dr. med. univ. Claus Volko


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